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Die Vergangenheit ohne E-Mails

Gerade die jüngere Generation wird sich bestimmt ab und an fragen, wie die Welt wohl damals funktionierte. Aber so lange ist es doch überhaupt noch nicht her, dass die Menschen ohne die Vorzüge und Annehmlichkeiten des Webs zu existieren hatten. Wenn ich selbst kurz in mich kehre und nachdenke – was fällt mir spontan sofort ein? Meine Brieffreundin Susanne. Mit ihr schrieb ich viele Jahre während früherer Schulzeit. Mit Spannung erwartete ich den Postboten. In der Hoffnung endlich eine lang ersehnte Antwort auf mein zuvor gesendetes Schriftstück zu erhalten. Zugegeben, dem ein oder anderen ergeht es im Zeitalter des Internets oft ebenso. Aber im Gegensatz zu einer elektronischen Mitteilung, die nur einen kurzen Moment nach dem Versenden durch die Datenleitungen beim Empfänger abrufbar ist, war der Prozess einst weitaus aufwendiger und zeitraubender.

Während früher die E-Mail noch nicht häufig genutzt wurde, wird heute exzessiv getippt, gechattet und gemailt. Doch wer es übertreibt, kann sich buchstäblich die Finger wund tippen. Was sich zunächst lustig anhört, ist bei vielen Jobs im Büro keine Seltenheit. Verkrampfungen in den Fingern und Handgelenken durch zu intensives Tippen. In so einer Situation ist es immer nicht schlecht, wenn eine Apotheke in der Nähe ist. So verhindert man die bekannten Spätfolgen wie Rheuma und Gelenkschmerzen.

Ein Brief wird handgefertigt

Wenn man endlich das passende Briefpapier aus der Schublade gekramt hatte, dann wurde es zunächst auf Eselsohren und Kakaoflecken untersucht. War diese Hürde genommen, dann stellte einen die Wahl des passenden Schreibgerätes vor eine knifflige Aufgabe. Denn so mancher Stift verendete noch während des Textens an Altersschwäche, und musste gegebenenfalls adäquat ersetzt werden. Und das von möglichst dem gleichen Modell. Kaum etwas wirkte abstoßender auf Verfasser und Leser, als zwei unterschiedliche Schreibfarben in einem Text. Die Niederschrift der Zeilen nahm gut Zeit in Anspruch. Wollte man doch unbedingt Schreibfehler vermeiden, und auch durch absolute Schönschrift glänzen. Es war mitunter ein ständiger Kampf, denn kein Buchstabe glich wirklich original dem anderen. Die bequeme nachträgliche Rechtschreibprüfung, wie sie in der EDV oft und gerne angewendet wird, wurde bei Bedarf mit einem Wörterbuch bewaffnet durchgeführt. Und entdeckte man trotz vorheriger Sorgfalt dennoch ein paar „dicke Klopse“, dann hieß es zähneknirschend „Neu schreiben!“.

Die Verpackung

War man am Ziel seiner Bemühungen, dann kam ein Kuvert zum Einsatz. Und wer nun an die wunderbaren Umschläge der Neuzeit denkt, deren selbstklebenden Enden man bequem zusammendrückt, der wird auch hier eines Besseren belehrt. Mit meist angewidertem Gesichtsausdruck leckte man die beiden Falze an, damit sie verbunden werden konnten. Ebenso unangenehm schmeckte (und tut sie auch heute noch) die Rückseite einer Briefmarke… Gut leserlich den Empfänger und den Absender auf dem Kuvert vermerkt – und man machte sich auf den Weg zum nahegelegenen Briefkasten.

Der Versand

Je nach Lage des Wohnorts konnte man von Glück, oder eben von Pech sprechen. Während in größeren Städten zahlreiche dieser gelben Sammelstellen täglich geleert wurden, so konnte man in anderen Gebieten nicht unbedingt darauf hoffen. Aber, wie dem auch sei – es lag nicht mehr in den eigenen Händen. Nun hatten die dafür beauftragten Profis ihre Arbeit zu vollrichten, und das Schriftstück an die gewünschte Stelle zu befördern. Und auch dies kostete weitaus mehr Zeit. Denn statt der heutigen Datenautobahnen wurden ausschließlich die (mehr oder weniger gut) asphaltierten Straßen und Wege genutzt. Dazu noch ein Briefzusteller, der je nach Tagesform mal früher, oder auch einfach später eintraf. Konnte man es kaum erwarten, dann blickte man sehnsüchtig aus dem Fenster in der Hoffnung ihn zu erspähen. Oder man saß angespannt im Zimmer, und erwartete das Klackern des Briefkastens. Ward dies vernommen betete man still, dass es auch wirklich der ersehnte Brief ist, der gerade den langen Weg vom Sender zum Empfänger vollendet hat.

Nur ein kleiner Auszug

Und nun kann man sich ja in etwa ausmalen, wie sehr das Internet das Leben verändert hat, wenn selbst der relativ kleine Punkt „E-Mail“ bereits so vieles vereinfacht. Und dieses Thema ist beileibe noch nicht ausgeschöpft. Denn man kann dies noch weiter führen. Nehmen wir allein die Möglichkeit des Versendens von Anhängen. Texte, Bilder und sogar Videos. Dies löste in vielen Bereichen den Paketdienst ab. Denn wenn es nicht darauf ankommt Originaldokumente zu versenden, dann geht es weitaus schneller und günstiger auch hier auf die Vorzüge der elektronischen Datenübermittlung zu setzen.